Unselige Tradition

Wenn der Zugang der Bundeswehr zur Schule von seinen Befürwortern begründet wird, ist häufig von der demokratischen Tradition der Armee die Rede. Die Bundeswehr sei integraler Bestandteil unseres Staatswesens und daher sei es selbstverständlich, dass die Armee an den Schulen präsent sein könne.
Dagegen ließe sich vieles sagen, z.B. die Tatsache, dass die Bundesrepublik zu Beginn ihrer Geschichte keine Armee hatte. Offenbar ist unser Staat also auch ohne eine Armee denkbar. Auch die Frage, ob der Friedensauftrag des Grundgesetztes mit militärischen Mitteln überhaupt erfüllbar ist, kann man diskutieren.
Aktuell ist nun erneut auf einen weiteren Aspekt verwiesen worden, der ein schlechtes Licht auf die demokratische Verankerung der Bundeswehr wirft. Das ARD-Magazin Kontraste deckte in diesen Tagen auf, dass auf einer offiziellen Veranstaltung der Bundeswehr zum Volkstrauertag ungehindert Liedgut der Waffen-SS vorgetragen wurde. Einer der renommiertesten deutschen Forschungspreise für Militärhistoriker ist nach einem ehemaligen SS-Mitglied benannt. Noch immer sind zahlreiche Bundeswehrkasernen nach Wehrmachtsoffizieren benannt, die tief in die nationalsozialistische Rassen- und Eroberungspolitik verstrickt waren. Obwohl dies dem Bundesverteidigungsministerium bekannt ist, wurden die Kasernen nicht umbenannt. Die Bundeswehr und ihr Minister haben offenbar Probleme, sich eindeutig von der Hitler-Wehrmacht zu distanzieren. Das sollte allen zu denken geben, die die Anwesenheit der Bundeswehr an unseren Schulen für selbstverständlich halten.
Hier der Kontraste-Beitrag

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2 Kommentare zu Unselige Tradition

  1. Achim Schopper sagt:

    Ich finde zu Demokratie gehört, dass alle Argumente gehört werden. Warum soll ein Bundeswehrgegner in die Schule und seine Argumente vortragen und eine demokratisch kontrollierte Armee nicht. Das ist für mich einseitige Indoktrination. Ich will, daß meine Kinder alle Argumente hören und dann entscheiden, für welche Argumente sie sich entscheiden.

    • admin sagt:

      Hallo Achim Schopper,
      es geht gar nicht darum, dass nun die Friedensbewegung allein an Schulen kommt. Es geht darum, die Information über Außenpolitik und Friedenssicherung in die Hände qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer zu geben. Zur Zeit versucht aber die Bundeswehr, unter der dem Deckmantel politischer Bildung einseitig ihre militärische Sicht auf die Außenpolitik in die Schulen zu tragen. Dazu stehen ihr Millionen Steuergelder zur Verfügung. Das nennen ich einseitige Indoktrination. Darüber hinaus versucht die Bundeswehr an Schulen und auf Berufsmessen Tätigkeiten in der Armee als normale Berufe zu verkaufen. Dagegen wenden sich Kinderschutzorganisationen und auch wir. Armeen schaffen keinen Frieden. Das können und sollten verantwortliche Pädagogen/innen ihren Schülern/innen vermitteln!

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